Schüchtern? So überwindest Du Deine Schüchternheit

Schüchtern – keine Eigenschaft fürs Leben

Schüchtern bleibt schüchtern, sagen die einen.

Schüchtern ist ja eine nette Eigenschaft, sagen die anderen.

Bist du selber schüchtern, ist das als Kind noch ganz nett.

Später kann es jedoch ein kleines Hindernis auf dem Weg zum Glück in Liebe, Beruf und Freundschaft sein.

Höchste Zeit, der Schüchternheit ein bisschen den Kampf anzusagen.

Die Sonnenseite der Schüchternheit

Die schüchterne Frau und der schüchterne Mann haben oft ein schlechtes Gewissen, weil sie nicht auf so viele Menschen zugehen oder auch mal lieber alleine sind.

schüchternMenschen, die gesellig sind und überall mit dabei, werden in unserer Gesellschaft einfach mehr geschätzt.

Bevor jedoch die Schüchternheit als reines Laster und unangenehme Eigenschaft missverstanden wird:

Sie hat auch gute, positive Seiten.

In unserer Gesellschaft ist hoch angesehen, wer sich gut darstellt und mit allen spricht.

Lynne Henderson, die Direktorin des Instituts in Berkeley (Kalifornien) meint dazu:

Selbstdarstellung und Extraversion sind in unserer Kultur einfach überbewertet.

Die Vorteile der Schüchternheit werden deswegen gern übersehen:

Schüchterne denken zuerst und reden nachher

Schüchterne Menschen müssen nicht sofort jede Redepause mit Worten füllen.

Sie können die Stille auch aushalten und geben dem Redepartner mehr Zeit für seine Antworten.

Wer mehr nachdenkt, redet weniger Blödsinn.

Die Antworten von schüchternen Menschen sind besser überlegt.

Schüchterne sind die besseren Zuhörer

Die meisten wirklich gescheiten Köpfe können gut zuhören und stellen auch gute Fragen.

Sie konzentrieren sich auf das Gehörte, fragen nach, denken über den Inhalt nach, lernen dazu.

Sie versuchen wirklich, ihren Gesprächspartner und seine Worte zu verstehen.

Sie schätzen ihre Mitmenschen.

Man könnte sagen, schüchterne Menschen sind empathischer und verfügen über mehr emotionale Intelligenz, weil sie gut zuhören.

Oder einfacher gesagt:

Sie stellen sich mehr auf ihre Mitmenschen ein und weniger auf die eigene Selbstdarstellung und deswegen wissen sie auch mehr über den Menschen.

Einmal schüchtern – (nicht) immer schüchtern

Vor einiger Zeit wurden von amerikanischen Forschern Langzeitstudien zu Emotionen, Gefühlen und Schüchternheit durchgeführt.

Dabei wurde festgestellt, dass man die Schüchternheit nicht so leicht loskriegt.

Auch Jahrzehnte später konnten die Forscher Unterschiede zwischen schüchternen und nicht schüchternen Menschen feststellen.

Genauer gesagt stellte ein Team um den Psychologen Carl Schwartz (Harvard University Boston) bei Schüchternen Unterschiede im Gehirn fest.

Menschen, die schon als Kleinkinder eher gehemmt und zurückhaltend auf fremde Gesichter reagiert hatten, taten dies auch noch zwanzig Jahre später.

Verantwortlich dafür ist die sogenannte Amygdala.

Das kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Mandelkern.

Diese Hirnregion ist nämlich in ihrem Aussehen mandelförmig.

Verantwortlich ist sie für die Gefühle.

Bei schüchternen Menschen ist dieser Teil des Gehirns aktiver.

Sie zeigen mehr Gefühle, reagieren stärker auf Fotos von unbekannten Gesichtern.

Diese Forschungsergebnisse stammen aus dem Jahr 2003.

Lebenserfahrung allein scheint nicht zu genügen, um die Schüchternheit zu überwinden.

Heute gibt es jedoch viele Tricks und Übungen, damit die schüchterne Frau und der schüchterne Mann ein bisschen lockerer werden.

Was ist Schüchternheit?

Das Gehirn und die Schüchternheit

Auch wenn wir unsere Gefühle und unser Verhalten in unserem Gehirn ablesen können, bedeutet das nicht, dass du keinen Einfluss darauf hast.

Mit NLP wird genau das versucht.

NLP steht für Neuro-Linguistisches Programmieren und versucht alte Verhaltensmuster, wie du nicht sein möchtest, durch neue, für dich bessere zu ersetzen.

Du ersetzt sozusagen dein altes Gehirnprogramm durch ein neues.

Ein erwünschtes Update, damit du dich im Leben nicht selber bremst!

Denn Schüchternheit kann dir wirklich manchmal im Weg sein, wenn sie übertrieben ist, wie in folgender Geschichte:

Eine schüchterne Frau steigt in einen Fahrstuhl mit Liftboy ein.

Der Liftboy fragt die schüchterne Frau nach dem gewünschten Stockwerk, wie es seine Aufgabe ist.

Antwortet die schüchterne Frau mit leiser Stimme: In den siebten Stock. Bitte nur, wenn es für Sie kein Umweg ist!

Der schüchterne Mann und die schüchterne Frau möchten gerne Beziehungen zu Menschen.

Es fällt ihnen aber einfach schwer, andere zu treffen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.

Ja, man kann sagen, schüchtern sein, heißt vor anderen Menschen ein bisschen Angst zu haben.

Man geht Streit und Treffen aus dem Weg, ist gehemmt und zieht daher oft den Kürzeren.

Der schüchterne Mann und die schüchterne Frau fühlen sich schwach.

Aber Schüchternheit ist weder Krankheit noch Schicksal fürs Leben.

Obwohl es nicht ganz leicht ist, kannst du übertriebene Schüchternheit überwinden.

Gibt es mehr schüchterne Frauen?

Leicht entsteht der Eindruck, dass die schüchterne Frau typischer ist als der schüchterne Mann.

Eine psychologische Studie stellte einmal fest, dass von allen Menschen, die sich als schüchtern einschätzen, nur 20 Prozent wirklich schüchtern sind.

Den restlichen 80 Prozent klopft zwar auch das Herz, sie schwitzen und sind verspannt, sie erröten aber nicht und fangen auch nicht an zu stottern.

Mädchen sind dabei nicht grundsätzlich schüchterner als Jungen, höchsten während der Pubertät.

Später trifft es sogar mehr die Männer, wenn es um den Eintritt ins Berufsleben geht.

Insgesamt gleicht es sich mit zunehmendem Alter wieder aus.

Man kann nicht davon sprechen, dass Schüchternheit eher eine weibliche oder männliche Eigenschaft ist.

Schüchtern ist nicht gleich introvertiert

Extravertierte Leute gehen nach außen, treffen Menschen und reden sicher, überzeugt und viel.

Introvertierte Menschen sind lieber alleine und schüchtern.schüchtern

Schüchterne Menschen sind daher introvertiert oder?

Von außen wirken introvertierte und schüchterne Personen sehr ähnlich.

Ihre Absichten unterscheiden sich jedoch wesentlich. Betrachten wir folgende Situationen:

auf der Party:

Eine große Geburtstagsparty ist im Gange.

Ein Mann erscheint auf der Bildfläche.

Suchend blickt er sich nach einem bekannten Gesicht um.

Schließlich entdeckt er den vertrauten Gastgeber, gesellt sich kurz zu ihm und setzt sich dann an einen menschenleeren Tisch.

Im Laufe des Abends kommt er nur mit ein paar Menschen ins Gespräch.

im Meeting:

Fünf Arbeitskollegen diskutieren lautstark und in schnellem Tempo, eine Kollegin sitzt daneben, hört zu und macht sich zwischendurch Notizen.

Nach der Sitzung liest sie ihre Notizen durch und schreibt weitere Gedanken zu den Themen nieder.

Sind diese Menschen nun schüchtern oder introvertiert oder macht das sowieso keinen Unterschied?

Von außen betrachtet sind diese zwei Personen introvertiert oder schüchtern.

Um herauszufinden, was sie sind, müsste man sie befragen.

Denn nein, schüchtern und introvertiert ist nicht dasselbe.

Diese zwei Merkmale unterscheiden sich in ihren Absichten.

Wir müssen das Innenleben der Betroffenen erforschen.

Der introvertierte Mann fühlt sich auf der Party wohl, denn es liegt nicht in seiner Natur, mit vielen verschiedenen Menschen zu sprechen.

Viel lieber führt er intensivere Gespräche mit wenigen Personen.

Der schüchterne Mann wollte sich eigentlich in die Party und die Menschenmenge stürzen, doch er traut sich nicht.

Er ist daher mit dem eigenen Verhalten nicht zufrieden.

Doch seine Unsicherheit, was die anderen von ihm denken könnten, hindert ihn daran, viele Kontakte zu knüpfen.

Ebenso setzt die introvertierte Frau im Meeting auf ihre Stärken, hört gut zu und wird später direkt ihre Gedanken den Kollegen mitteilen.

Sie fühlt sich wohl dabei, die laute Diskussion findet sie sowieso anstrengend.

Die schüchterne Frau dagegen hätte zwar gern mitdiskutiert, doch aus Angst vor Kritik oder möglichen Fehlern beschließt die schüchterne Frau, sich zurückzuhalten.

Das Geheimnis des Unterschiedes liegt darin, dass das Eine ein Persönlichkeitsmerkmal, das Andere jedoch ein Verhalten ist.

Schüchternheit ist angelernt und antrainiert

Ursprünglich stammen die Begriffe Introversion und das Gegenteil davon, die Extroversion, vom Psychoanalytiker C. G. Jung.

Er betrachtete sie als unterschiedliche Anlagen, Temperamente, die bereits bei Babys zu beobachten sind.

Zu viele Reize kosten dem Introvertierten Energie, deswegen zieht er sich oft lieber zurück. Auf diese Weise lädt er seine Batterien wieder auf.

Ein introvertierter Mensch hat aber sehr wohl auch extrovertierte Anteile.

In der richtigen Situation geht er dann aus sich heraus. Prinzipiell lebt der Introvertierte aber mehr nach dem Motto „Die Kraft liegt in der Ruhe“.

Schüchternheit dagegen ist kein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein erlerntes Verhalten und kann deswegen auch wieder verlernt und abtrainiert werden!

Die Frage stellt sich, warum manche Personen schüchtern werden und andere nicht?

Ursachen der Schüchternheit

Schüchterne Menschen stehen nicht gern im Mittelpunkt.

Sie fühlen sich im Umgang mit anderen Menschen gehemmt und unsicher.

Soziale Situationen wie Partys, Meetings oder Essenseinladungen bedeuten für sie Stress.

Es geht dabei vor allem um die Bewertung durch andere bzw. die Angst vor genau dieser Bewertung.

Bevor man unangenehm auffällt, fällt man lieber gar nicht auf.

Um nichts Peinliches oder Unpassendes zu sagen, schweigt man lieber ganz.

Sehr schüchterne Menschen sind in ihrem Schneckenhaus gefangen, ziehen sich zurück, sind damit aber nicht zufrieden oder gar glücklich.

Es fehlen ihnen einfach der Mut, die Sicherheit und das Selbstbewusstsein, auf andere Menschen zuzugehen.

Sehr starke Schüchternheit ist wie eine zu fest angezogene Bremse.

Du meidest andere Menschen und Gruppen und fühlst dich nicht mehr frei.

Wie ist es aber überhaupt zu diesem Verhalten gekommen?

Eine prägende Zeit

In der Gegenwart hat die schüchterne Reaktion oft keinen richtigen Grund.

Die Verhaltensmuster einer Person muss man aus ihrer Geschichte und Vergangenheit heraus verstehen.

schüchternDie schüchterne Frau beim Date ist nicht schüchtern, weil ihr der Mann gegenüber Druck macht, sondern weil sie sich selbst mit schlechten, negativen Gedanken Druck macht.

Diese inneren Vorstellungen, was alles schief laufen könnte, hemmen die schüchterne Frau beim Date.

Sie fühlt sich weder frei noch locker.

In unseren ersten Lebensjahren können wir nicht alleine überleben.

Wir sind abhängig vom Wohlwollen unserer Umgebung. Instinktiv wie die Tiere passen wir uns an unsere Umgebung an, um zu überleben.

Oft machen wir leider die Erfahrung, dass die elterliche Liebe mit bestimmten Bedingungen verbunden ist.

Wenn wir etwas Tolles geleistet haben, sind unsere Eltern auf uns stolz.

Vielleicht wurden wir für falsches Verhalten auch kritisiert oder sogar bestraft.

Das Kind lernt auf diese Weise, dass man Liebe bekommt, wenn man sich verhält, wie es die Umgebung wünscht.

Oft gesellen sich zu diesem Erfahrungsschatz noch Mobbing, Leistungsdruck und Situationen, in denen man sich vor anderen blamiert hat.

Diese Erlebnisse schädigen das Selbstbewusstsein eines Menschen.

Es entsteht eine Angst, von anderen abgelehnt zu werden. Schüchterne Menschen geben nicht viel von sich preis, damit sie nicht zurückgewiesen werden.

Der Schüchternheit den Kampf ansagen

Positives Denken und Entspannung

Es ist zwar keine leichte Aufgabe, lang geübte, falsche Verhaltensmuster wieder abzulegen, aber es ist möglich.

Gehe es positiv an!

Denk an deine Stärken, nicht an deine Schwächen!

Es gibt sicherlich Situationen, in denen du nicht schüchtern bist!

Treten in einer Stresssituation die gefürchteten körperlichen Symptome wie schnelles Atmen, Zittern, Herzrasen und Schwindel auf, ist es gut, deine Aufmerksamkeit nach außen zu lenken.

Konzentriere dich auf deine Umgebung, auf einen ruhigen Atem und versuche bewusst, deine Muskeln zu entspannen.

Es ist immer besser, erst gar nicht in eine extreme körperliche Stresssituation zu kommen.

Deswegen empfiehlt es sich, eine Entspannungstechnik zu lernen, um im Ernstfall schneller einen entspannteren Zustand zu erreichen.

Schritte zu einem freieren Leben

Überprüfe deine inneren Bewertungen. Was kann wirklich passieren?

Was kannst du in einer Situation wirklich schlimmstenfalls verlieren?

Was gewinnen?

Dir wird auffallen, dass die starke Angst viel größer ist als die „Katastrophe“, die passieren kann.

Arbeite bewusst daran, dein Selbstbewusstsein zu stärken.

Je mehr wir uns selber akzeptieren, desto sicherer treten wir vor den anderen.

Spiele in deiner Vorstellung Gespräche durch und stelle dir auch bewusst vor, wie du ruhig auf andere Menschen zugehen kannst.

Achte auf deine Körpersprache.

Blickkontakt, ein freundliches Lächeln und eine offene Körperhaltung erleichtern jedes Gespräch und laden dein Gegenüber dazu ein, mit dir in Kontakt zu treten.

Es ist ein Weg in kleinen Schritten. Stell dir kleine Aufgaben, die du immer wieder übst, und sei mit dir zufrieden.

Erlaube dir auch, schüchtern zu sein, deine Schüchternheit anzunehmen, statt verkrampft gegen sie anzukämpfen!

Coaching und Therapie können dich auf dem Weg heraus aus der Schüchternheit begleiten.

Arbeite an dem, was dich bremst, doch akzeptiere dich auch, wie du bist.

Denn ein bisschen schüchtern wirkt sympathisch und ist in vielen Situationen durchaus richtig am Platz!

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